Die Route wird neu berechnet

Gozo, September 2016

Die Ankunft im Malta Airport gestaltete sich insofern schwierig, da wir vier, Hajo, Niko, Mathias und Renate, mit drei verschiedenen Fluggesellschaften und zu verschiedenen Zeiten eintrafen. Auf dem Parkplatz vor dem Flughafen konnten wir dann unseren Mietwagen entgegen nehmen. Erstaunlich wie viel Gepäck sich in einem Opel Astra verstauen lässt. Mathias meisterte den Linksverkehr. Vom Flughafen fuhren wir einmal quer durch über Malta zur Fähre Cirkewa. Zur Navigation im Linksverkehr der Insel sollte uns Google´s Navigation im Handy helfen.

Die Straßenführung ist im Linksverkehr ist nicht immer logisch, vielfach wird mit Einbahnstraßenführung der Verkehr beider Fahrtrichtungen getrennt geführt. Also, einfach als Zielpunkt Gozo, Masalforn eingeben und los. Aber sobald man außerhalb der Reichweite der Mobilfunkantennen war, sagte eine freundliche Frauenstimme „Die Route wird neu berechnet“. Dann minutenlang nichts. Aber zum Glück gibt es noch die etwas altmodische Navigation per Karte. Im nächsten Ort wieder ein Funksignal, wir waren doch auf dem richtigen Weg. Dann kurze Zeit später wieder eine freundliche Frauenstimme „Die Route wird neu berechnet“

Nach Einkauf und ausgiebigem Frühstück am nächsten Tag hatten wir als Ziel das Mgarr-Tal im Süden Gozos ausgewählt. Den Weg wählten wir mit Hilfe des Navis, aber da war sie schon wieder, diese freundliche Frauenstimme „Die Route wird neu berechnet“. Und wo geht es jetzt zum Tauchplatz? Aber allmählich kam wieder die Erinnerung an das vergangene Jahr. Schon vom vergangenen Jahr kannten wir die zwei Höhlen am Ausgang des Tales. Unser erster Tauchgang, das Meer ist hier je nach Sonnenstand hellblau bis tiefblau, Sichtweiten von 20-25 m sind auch fast überall um die Inseln anzutreffen. Wir schwammen an der Felswand entlang, tauchten gelegentlich ab und trafen im Verlauf der Bucht immer tiefer auf Sandboden. Hier ist der Lebensraum der Knurrhähne.

Weiter an der Felswand entlang trifft man nacheinander auf zwei Unterwasserhöhlen. In der Zone zwischen Wasser und Luft am Eingang der Höhle, fest an den Fels geheftet, leben kleine tomatenrote Anemonen, Purpurrose oder auch Pferdeaktinie (Actinia epuina) genannt. Tagsüber sind sieht man nur ihren roten Mantel, nachts öffnet sich das Hohltier und fängt mit seinen Tentakeln Kleinstlebewesen. In das Innere der Höhle gelangten wir nach einer kurzen Tauchstrecke. Hier kann man in einer schmalen Spalte auftauchen, um dann nach wieder kurzem Untertauchen in einem anderen Bereich der Höhle wieder aufzutauchen. Um nicht unter dem Fels aufzutauchen sollte man eine Lampe mit sich führen.

_DSC2946 freigestellt.jpg

Am zweiten Tag war 13.09.2016, nun war die Gruppe beisammen und wir wollten in der Nähe des berühmten Azure Window im Canyon tauchen. So zu mindestens war es im vergangenen Herbst noch möglich, da stand es noch, bis es im Januar 2017 ein heftiger Sturm zum Einsturz brachte. Der Weg zum Tauchplatz führt von Victoria kommend über Garp nach Dweira, dann einen Berg hinab zum Parkplatz. Inzwischen nutzten wir noch ein zweites Handy zur Navigation. Mit wechselndem Erfolg und wieder einer freundlichen Frauenstimme „Die Route wird neu ……….“. Zunehmend kam die Erinnerung an bestimmte uns schon vom Vorjahr bekannte Abzweigungen zurück. Vom felsigen Ufer aus schimmert das Blue Hole tatsächlich tiefblau. Es ist 15 m tief. Direkt am Blue Hole, unter Felsvorsprüngen, besteht die Möglichkeit sich umziehen. Ein Damm in ca. 5 m Tiefe trennt das Blue Hole von der Riffaußenseite.

Das dem Hole vorgelagerte Felsplateau ist stark zerklüftet. Hier im Canyon genannten Gebiet gibt es einen Tunnel. Ein Eingang ist in ca. 8 m Tiefe, ein tieferer in ca. 18m. Beide Tunnel vereinigen sich, sind aber so schmal, dass gerade ein Gerätetaucher hindurchpasst. An diesem Tag wollten auch viele andere Gerätetaucher durch den Canyon tauchen. Wir beobachten, wie sich diese wie auf einer Armeisenstraße auf den Tunnel zubewegten und in der dunklen Eingangsspalte verschwanden. Da im Tunnel immer nur ein Taucher Platz hat und bei Gegenverkehr auch keiner wenden kann, mussten wir warten, bis wirklich frei war.

18.09.2016 Ein Höhepunkt unserer taucherischen Unternehmungen sollten die in der Nähe von Xatt L`Ahmar die dort vor der Südküste Gozos versenkten drei Wracks, MV Xlendi, MV Karwela und die MV Cominoland werden. Gleich mehrere Tauchschulen waren zu diesem Zeitpunkt mit Apnoetauchern dort. Deshalb haben wir uns für die MV Karwela entschieden. Das Schiff steht aufrecht seinem Kiel auf dem Meeresboden. In ca. 32 m trifft man das Deck. Julian wollte seine Boje neben dem Wrack positionieren. Als Gewicht dafür hatte er Steine gesammelt und in speziellen Taschen mit einem Karabiner am Seilende befestigt. Wir tauchten und nutzten hier auch das Bojenseil, um kraftsparend hinab- und hinauf zu kommen. Mathias und Julian filmten sich gegenseitig innerhalb der Laderäume. Am Ende des Tauchgangs, beim Heraufholen des Bojenseils, löste sich aus unerklärlichen Gründen der Karabiner und die Gewichtstaschen taumelten in unerreichbare Tiefen.

Noch am selben Abend, wir wollten gerade nach dem Abendessen in unsere Unterkunft zurückkehren, entlud sich über Masalforn ein Gewitter mit unerwarteter Heftigkeit. Das Regenwasser floß wadenhoch durch die Straßen bis in die Bucht, Gullideckel hoben sich durch den Wasserdruck.

19.09.2016 Der Middle Finger, ein gut besuchter Tauchplatz an der Südwestküste Gozos, wird zu Recht so genannt. Etwa 50m vor der Küste im Süden Gozos erhebt sich vom Meeresgrund in 35-50 m Tiefe ein steiler Felsen bis in ca. 10 m bis unter die Wasseroberfläche. Fischreichtum ist hier garantiert. Sichtbar endet hier an der nahen gelegenen Landzunge der Ablauf der Kläranlage im Meer. Was man bei der Klarheit des Wassers aber nicht unbedingt wahrnimmt.

Hier ist auch der Ort, an dem Mathias und Julian ihr zweites Leben begannen.

Wir hatten unser Bojengrundgewicht vor dem Middle Finger auf ca. 33 m Tiefe gesetzt, sodass Wind und Wellen sie dort festhielten. Für die nächsten zwei Stunden tauchten wir immer wieder am Seil auf und ab sowie frei am Middlefinger entlang. Besonders faszinierend ist hier ein Rundumblick am Fuß des Middle Finger Berges als auch der Blick von dort ins Blauwasser.

Rund um die Felsnadel waren mehrere Taucher mit Gerät unterwegs, die Atemluft stieg gleich einer Perlenschnur aus der Tiefe auf. Zu diesem Zeitpunkt, ich hatte mich schon in Richtung Küste verabschiedet, tauchten Mathias und Julian noch am Seil, welches oben an einer großen orangen Boje gut erkennbar war. In dem Moment, als beide kurz vor dem Abtauchen noch an der Boje waren, bemerkten sie ein Schnellboot, das mit hoher Geschwindigkeit auf sie zuhielt. Nur ein Sprint ins Freiwasser rettete sie, während die Boje unter dem Boot verschwand. Touristen an Bord schossen währenddessen Bilder. Da war es wieder, was habe ich nicht schon alles darüber gehört; in der internationalen Seefahrt sind im Umkreis von 50 m von Taucherbojen eine erhöhte Aufmerksamkeit der Bootsführer vorgeschrieben und diese sind keinesfalls als Wendebojen zu benutzen. Nach dieser Aktion war an ein Weitertauchen nicht zu denken. Eigentlich wäre hier die sofortige Anzeige bei der örtlichen Polizei angebracht gewesen.

Jetzt nach zehn Tagen finden wir den Weg zurück zum Flughafen auf Malta ganz ohne Navi. Sie wird uns fehlen, diese freundliche Frauenstimme „Die Route wird neu berechnet“. Und warum nur müssen wir wieder zurück in den Berliner Herbst, hier ist das Wetter gut und es gibt auf Gozo, Comino und Malta noch viele taucherische Ziele die es lohnt sie kennen zu lernen.

Renate

   
© ALLROUNDER
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok